„Katerfrühstück“ im Hagengebirge

Spiegelungen im Obersee

Spiegelung im Obersee

Dieses Wochenende war absolutes Kaiserwetter – nix wie raus in die Berge!! Diesmal waren zwei liebe Freunde von mir mit dabei, Barbara & Sam. Wir sind eine ganz ähnliche Strecke durch’s Hagengebirge gegangen wie ich vor drei Wochen alleine. Den Eisenpfad haben wir aber ausgelassen – immerhin hatten wir Übernachtungsgepäck dabei und Essen für zwo Tage, das waren ungefähr 14kg (insgesamt, nicht das Essen alleine). Das Licht am Obersee war wieder genial und die Spiegelungen absolut magisch! Wir sind den Landtalsteig in der Röthwand rauf und dann durch’s Landtal – der Blick rüber zum Steinernen Meer war fantastisch klar, eine wunderbare Fernsicht. Durch die Wände der Berge rechts und links des Landtals ist der Blick so schön gerahmt, das hat was.

Mit dem ganzen Zeugs auf dem Rücken geht’s doch etwas langsamer dahin, außerdem haben wir uns Zeit gelassen, an den Hängen die Steinböcke zu beobachten, so dass wir erst am späteren Nachmittag am Hochgschirr ankamen. Wir haben dort ausgiebig gefuttert – auf diesem Sattel hat man den Blick sowohl übers Landtal zum Steinernen Meer als auch nach Norden in Richtung Schneibstein. Da kann man schon ne Weile sitzen und gucken.
Dann sind wir runter zum Seeleinsee – der erstaunlich wenig Wasser hatte aber auch irre Spiegelungen. Ein gutes Stück davon entfernt haben wir uns ein Plätzchen für die Nacht gesucht – es wird ja jetzt schon ganz schön bald dunkel. Und reichlich frisch, sobald das Sönnchen weg ist. Aber ich hatte ja den Kocher dabei, da gab es ein Kräutersüppchen mit mitgekochten Tortellini – sowas würd ich hier zuhause nie freiwillig kochen, aber da oben ist man froh um was Warmes, Flüssiges, Salziges. Wir haben uns auch ein winzig kleines, warmes Feuerchen gemacht, an dem wir bis halb elf gekauert haben. Geratscht, Tee getrunken, Schokolade gegessen, Hände und Herz gewärmt. Über uns der funkelnde Sternenhimmel, außenrum die schwarzen Silhouetten der Bergriesen und um alles herum eine tiefe, absolute Stille…

Da ich ja so verfroren bin, hab ich mir einen Liter heißes Wasser in der Aluflasche in den Schlafsack geschoben – aaaaaahhhhh!!!

Und dann hab ich einfach nur in meinem Schlafsack gelegen (die Füße schön warm) und in den Himmel geschaut. Drei Sternschnuppen hab ich gesehen. Ich find’s dann immer viel zu schade zum Einschlafen, aber irgendwann lässt sich das nicht mehr vermeiden, auch wenn der Himmel noch so schön ist…

In der Früh bin ich aus dem Daunenbett geklettert, als es gerade hell geworden war und das Grau der Berge langsam einen wärmeren Farbton bekam. Ich bin mit der Kamera rauf zum Hochgschirr – ohne Gepäck nicht weiter schlimm. Die Sonne hat den Watzmann in ein warmes Orange getaucht. Als ich am Sattel ankam, waren einige der Gipfel im Steinernen Meer auch schon sonnenüberflutet. Ich habe mich still auf einen Felsen gesetzt und ein bisschen zugeschaut, wie das Orange immer heller wurde. Eine Dohle ist um mich herumgehüpft.

Als ich wieder runter kam, waren Sam & Barb auch schon aus ihren Tüten geschlüpft. Die zwei haben sich tatsächlich im See gewaschen – Sam ist sogar ganz rein. (Haben sie zumindest erzählt :-)) Ich hab lieber eine Tasse heißen Tee getrunken.

Nach dem Frühstück (Bergkäse und Nutella passen ganz hervorragend zusammen) und Zeugs zampacken – was ja immer ein Weilchen dauert, weil man mit kälteklammen Fingern im hohen Gras eben alles nicht mehr so klein zusammengerollt kriegt wie zuhause im Wohnzimmer – sind wir los in Richtung Schneibstein. Und ein Stückchen hinter dem See – ich dachte, ich halluziniere – haben wir einen rot-weißen jungen Kater getroffen. Da waren wir baff! Das Kerlchen war ziemlich vergnügt und kontaktfreudig und kam gleich angesprungen. Notleidend wirkte der aber gar nicht. Er schnurrte und rieb sich an den Beinen. Da wir nur so vegetarisches Zeugs dabei hatten, schnippelte ich ihm was vom Bergkäse ab, so scheibchenweise. Das schlang er promt herunter, aber zuviel davon ist für’s Katz ja auch nix. Die nächstgelegene Behausung war das Stahlhaus, und bis dahin waren es für Menschenbeine ca. drei Stunden Gehzeit. Was tun mit dem Tier? Wir hatten keinen Schimmer, wie der Kater da hingekommen war. Das Gelände ist äußerst unwegsam. Wahrscheinlich war er Wanderern hinterher gelaufen, und wer auch immer den Kater „mitgenommen“ hat, ohne dafür zu sorgen, dass er wieder zurück kommt, gehört selbst irgendwo ausgesetzt (ohne Nutella)!!

Jedenfalls beschlossen wir, das Kerlchen mitzunehmen. Der hat sich genau 20 Meter lang tragen lassen, dann wurde ihm das zu blöd und er wollte runter. Als wir ihn daraufhin am Schlafittchen gepackt haben, wurde er grantig. Keine Chance, ihn auf diese Art stundenlang über Stock und Stein zu transportieren! Da er aber recht anhänglich und munter war, lockten wir ihn also weiter, und tatsächlich sprang er mit. Zwischendurch verschwand er immer mal in einem interessanten Loch und wir mussten ein wenig geduldig sein, aber er kam immer hinterher. Dann wieder legte er sich kurz hin und hechelte ein wenig, ließ sich auch hochnehmen, aber nach dem dritten Schritt wollte jedesmal wieder runter. Dummes Stück.

Inzwischen kamen uns immer wieder Wanderer entgegen, und deren Gesichter waren echt sehenswert, als die den Kater entdeckten. Der Standardspruch war „Ja, habt’s ihr euer Katz dabei??“

Da mussten wir dann immer bisschen aufpassen, dass Katerchen nicht in seinem jugendlichen Übermut umdrehte und den falschen Leuten hinterher lief. Es gab aber auch so – wenn ich das hier mal so formulieren darf – bescheuerte Leute, die meinten, wir sollten den Kater doch lassen: „Eine Katz findet immer nach Hause, die laufen auch von Nord- nach Süddeutschland“ oder „Den holt der Adler“.

Wir haben Katerchen trotzdem weiter gelockt, und dann kam uns einer entgegen, so ein echter Bergler mit Pferdeschwanz, sozusagen ein Original, der rief: „Jo, dös is ja der Seppi vom Stahlhaus! Der is scho drei Dog weg!“ Es stellte sich heraus, dass das der Bäda (=Peter, Übersetzung für alle Flachländer) vom Stahlhaus war, der uns da über den Weg lief. Der war einerseits echt erleichtert, seinen Kater gefunden zu haben, andererseits grantig, weil er eigentlich auf den Kahlersberg wollte. „Jo, was dua i denn jetzt? Den muass i ja hoam bringa! I woit aba auf’n Kahlersberg. Ja, so a bleeds Viech! Mei, Seppi, bist du a bleeder Koda!!“ Wir haben uns köstlich amüsiert, aber auch inständig gehofft, dass der „Bäda“ tatsächlich seinen Kater zurückbringt und wir diese Aufgabe damit abgeben können. Er hat dann noch gemeint, er sei wohl der Tierhüter vom Stahlhaus, denn ein paar Tage vorher hätte er den Hund vom Hohen Brett runter geholt (das ist auch ein Berg beim Stahlhaus – Anmerkung für alle Flachländer). Er hat auch erzählt, dass er den Kater schon mal von irgendwo geholt hat – das hab ich nicht so ganz mitgekriegt, warum und woher – und dass der ihm da aus Protest in den Rucksack geschissen hatte. Ich hab’s sofort geglaubt! Der Kater war echt spitze.

Mit dieser zweifelhaften Aussicht beschloss Bäda, erst mal Brotzeit zu machen und räumte seinen Rucksack aus – klar, ich hätt da auch nicht meine Brotzeit drin gelassen, wenn der Kater…
Er hatte zwei Wiener Würschtl dabei, und eines davon schob er gleich dem Kater rein, der es gierig verschlang. War DAS ein Bild, die zwei auf einem Felsen am Wegrand in der Sonne, im Hochgebirge, ringsum die mächtigen Gipfel, einträchtig beim Würschtelessen. NATÜRLICH hab ich die zwei fotografiert!! Aber da ich den Bäda nicht gefragt hab, ob ich ihn posten darf, werde ich ihn auf dem Foto unkenntlich machen.

Wir haben uns während der weiteren Wanderung immer wieder ausgemalt, wie der Bäda mit dem grantigen Kater im Rucksack durch die Berge wandert – ein herrliches Bild vor unserem inneren Auge!! Ich muss immernoch lachen, wenn ich mir das vorstelle.

Ich muss noch dazu sagen, dass er sich mehrmals bei uns bedankt hat, dass wir seinen Kater mitgenommen haben und uns eingeladen hat, wir sollen reinkommen, wenn wir mal beim Stahlhaus des Weges sind. Das war doch sehr nett!