Elbsandsteingebirge – Tag1 – die Schrammsteine

Talblick auf die Elbe

Blick von unserem Mittagsrastplätzchen ins Elbtal

Nach dieser recht interessanten Nacht empfing uns ein strahlender Morgen. Wir fuhren nach einem Müsli-Frühstück nach Gohrisch und bezogen unsere Ferienwohnung. Eine von zweien in einem kleinen Häuschen am Ortsrand, die andere war leer, wir waren also ganz für uns.

Danach fuhren wir flugs in Richtung Schrammsteine, unserem Abenteuerspielplatz für diesen Tag. Schon aus der Ferne sahen die Silhouetten der verschiedenen Tafelberge schön und fremdartig aus.


Wir parkten in einem schattigen Tal und folgten einem Wanderweg zwischen Felsentürmen und großen Blöcken durch den Wald bergauf. Schon da blieben wir ständig stehen und zückten hingerissen die Kameras. Zu schön und zu mächtig waren die Wände, im lieblichen Kontrast dazu leuchteten sanfte schlanke Birken im Frühlingskleid. Auffallend waren die vielen verschiedenen Moose und Flechten, deren Vielfalt auch im Reiseführer erwähnt wird.

Wir kamen zum Großen Schrammtor, zwei mächtigen Felstürmen, zwischen denen hindurch der Weg ins Schrammsteingebiet führt. Hier ging es ziemlich belebt zu – vor, zwischen an und auf den Felsen saßen, gingen, standen und hingen Leute. Die Sächsische Schweiz ist nicht nur bei Wanderern beliebt, es klebten alle naslang Leute an Felswänden oder hatten diese schon erklommen und saßen obendrauf.


Zum Glück ließ der Trubel mit der Entfernung vom Schrammtor schnell nach, aber zu Stoßzeiten möchte ich da ja nicht unterwegs sein. Wir kamen zum ersten Aussichtspunkt, von dem aus man durch die Bäume den Falkenstein sehen konnte, und ein wenig später zur Schrammsteinaussicht. Die war überwältigend und wir ließen einige Zeit lang die Blicke schweifen und die Kameras klicken. Ein paar Meter unterhalb der Aussichtsplattform machten wir gemütlich Mittagspause und beobachteten rundum auf den Felsen die Kletterer. Ganz schöner Betrieb am Fels!

Weiter ging es auf federnden Pfaden durch den lichten Frühlingswald, zwischen Felsblöcken hindurch, über Eisenstiegen und Steintreppen windungsreich hinauf und hinunter. Sehr abwechslungsreich. Wir wussten meistens überaupt nicht, wo wir grad waren. Die Wege auf der Karte hatten Namen, die Wegweiser in der Natur hatten andere Namen, wenn sich an einer Kreuzung denn überhaupt ein Wegweiser fand. Ich könnte jetzt nicht mehr sagen, welche Wege wir gegangen sind. Alle anderen aber schienen sich bestens auszukennen. Wir fragten öfters mal ziemlich verwirrt andere Wanderer, und die waren stets perfekt orientiert. Ich vermute, dass es da ein System gibt, dessen Logik sich uns entzog… Ich meine – es war nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Wanderkarte gesehen habe. Bisher habe ich immer auch ohne Brotstückchen zu streuen meinen Weg gefunden. Aber während all unserer Wanderungen in der Sächsischen Schweiz waren wir ständig damit beschäftigt, wenn nicht die Kamera dann die Karte zu zücken um dann doch überraschend an einem Aussichts- oder sonsteinem Punkt zu landen, wo wir uns gar nicht vermutet hätten. Auf diese Art kamen wir aber glaub ich so überall hin, wo hinzukommen sich lohnt, denn wir standen immer wieder entzückt an den fantastischsten Ausblicken.

So abwechslungsreich wie der Weg ist auch die Formenvielfalt der Felsen. Da gibt es Nadeln, Tore, Brücken, Rippen und Türme mit Rissen, Spalten, Wabenstruktur oder glatt, mit grünen Moospölsterchen, farbenfrohen Flechten oder in verschiedenen Grautönen. Filigrane Birken und knorrige Kiefern bieten einen schönen Kontrast dazu.

Das Highlight dieser Wanderung aber war der Blick vom Carolafelsen. Vorher waren wir – es war längst schon Nachmittag – am Frienstein mit der Idagrotte gewesen, wo ein warmes Licht in den Felsen spielte. Wir spielten dort auch ein bisschen und kletterten in den Felsen und in der Grotte auf der Ostseite der Felsgruppe herum, zu der man über einen schmalen Sims kommt.

Sehr elegant lehnt sich beim Frienstein ein langer schlanker Felsturm entspannt an die benachbarte Felswand. Durch den schmalen Spalt dazwischen leuchtet der Himmel. Oben wird das Türmchen fesch von einer frischen Birke bekrönt. Ich fand das Ganze sowohl in Graustufen als auch in Farbe sehr reizvoll.

Höhlen in der Sächsischen Schweiz darf man sich nicht so vorstellen wie z. B. die Höhlen im Kalkgestein der Fränkischen Schweiz. Diese sind lang und oft weitverzweigt, durch chemische Lösung vom Wasser aus dem Gestein gefräst. Das, was man im Elbsandstein findet – und was meist ganz bescheiden als Grotte bezeichnet wird – ist räumlich ziemlich überschaubar und durch ganz andere geologische Vorgänge entstanden. Als sich in der Kreidezeit auf dem damaligen Meeresboden Sandschichten ablagerten, gab es dazwischen auch immer wieder Schichten mit tonhaltigem Material. Nachdem das Ganze über ein paar Jährchen hin angehoben und zu Sandstein verfestigt wurde, bildete das tonhaltige Material wasserstauende Zwischenlagen. Regen- und Schmelzwasser, das von oben durch den porösen Sandstein drang und auf die Trennschicht traf, suchte sich seinen Weg seitlich an den Felswänden heraus, wobei es auch immer etwas Material mitnahm und so im Laufe dieser paar Jährchen an den Grenzhorizonten sogenannte Schichtfugenhöhlen schuf. Dann gibt es auch noch Klufthöhlen, wo das Wasser  – auch über ein paar Jährchen hin – senkrechte Risse und Spalten zu höhlenartigen Klüften erweiterte. Die Idagrotte am Frienstein ist beides und wurde um 1410 auch noch als Burgwarte genutzt. Falze für Balkenauflagen sieht man noch, wenn man’s weiß und darauf achtet. All das las ich auf einer klugen Tafel, die dort stand.
Es herrschte eine sehr schöne, friedliche Stimmung auf dem kleinen Felsplateau der Idagrotte.

 

Wieder auf dem Sims zurückbalanciert zur Westseite entdeckten wir, wie grafisch-schön die Birken Schatten auf die Felsen warfen. Da krochen wir natürlich wieder eine zeitlang zwischen den Felsen herum, um den besten Blick einzufangen…

Als wir von dort zum Carolafelsen wanderten, stand die Sonne schon ziemlich tief und wir trafen keine Menschenseele mehr. Wie friedlich.

Der Blick vom Carolafelsen geht über ein langes Waldtal hin zum Falkenstein, den Schrammsteinen und anderen Felsgruppen, die sich im dunstigen Abendlicht in der Ferne verloren. Eine magische Stimmung!

Blick vom Carolafelsen

Blick vom Carolafelsen

Es fiel ein wenig schwer, sich von diesem wunderbaren Ort loszureißen, aber wir hatten ja noch ein hübsches Stückchen Weg vor uns bis zum Auto. Der Weg führte uns hinunter in das schöne Waldtal mit dem Mosaik aus Grüntönen…

…und wartete auf halber Höhe mit einem weiteren Wunderwerk der Natur auf: Als wir um einen Felsen herum kamen, sahen wir vor uns eine riesige Rotbuche mit eindrucksvollem Wurzelwerk. Die alleine wäre schon einen offenen Mund wert gewesen, aber damit nicht genug, stand sie direkt vor einem Felsenbogen. Und sowas Feines ist nicht mal auf der Karte erwähnt – zumindest nicht auf unserer… Leider, leider war das Licht da schon ziemlich dürftig und ich musste die ISO-Zahl ganz schön hochschrauben, um überhaupt noch einigermaßen vernünftig fotografieren zu können. So ein Tag ist dort einfach zu kurz…

IMG_9572

Im Tal nahe des Carolafelsens stehen so ein paar einsame Felsgestalten herum, die im schwindenden Licht fast mystisch wirkten. Durch die unterschiedlich schnell verwitternden Schichten der Felsen entstehen oft figurenähnliche Formationen. Wen haben wir im Laufe der Tage da oben nicht alles gesehen! Den Drachen Fuchur, ein paar freche Kletteraffen, die verschiedensten zu Stein gewordenen Herrschaften und sogar eine Lokomotive. (Es gibt im Bastei-Gebiet einen Felsen, der so heißt, aber unsere Lok war viel ausgeprägter in der Form, hatte ungefähr Originalgröße und – ist nirgends erwähnt. Es gilt, die Schätze eigenständig zu entdecken…) Auf dem Weg ins Tal wechselte ständig die Perspektive, es war wunderschön.

Blick über das Tal auf den Falkenstein

Blick über das Tal auf den Falkenstein

Irgendwie haperte es auf dem Weg durch den Wald wieder ein bisschen mit der Orientierung, denn wir kamen ein gutes Stück weiter nördlich im Tal an als gewollt und waren nun auch noch einen Umweg gegangen – wo die Füße inzwischen sowieso schon etwas schwer waren und es merklich dunkelte im Wald. Um halb Zehn kamen wir müde und glücklich am Auto an. Wie gut es doch tut, sich in einen weichen Sitz sinken zu lassen!
Aufs Kochen verzichteten wir an diesem Abend. Dusche, eine schnelle Brotzeit und dann ins Bett, bei offener Terrassentür dem nahen Wald lauschen – und sich auf den nächsten Tag freuen…