Elbsandsteingebirge – Tag 3 – Blick in längst vergangene Zeiten

Burgmauer

Burgmauer

Der Tag begann mit unfreundlichem Nieselregen zu grauem Himmel und wir gingen ihn gemütlich an, mit einem schönen Frühstück. Tatsächlich wurde es bei der zweiten Tasse Tee schon heller und bei der dritten fast freundlich. Der Nieselregen hatte aufgehört, ein dünnes Sönnchen wagte sich halbwegs hervor. Nach zwei ausgiebigen Tagen am, auf und um den Fels wollten wir nun die Festung Königstein besichtigen. Die sieht ja ganz schön unnahbar aus, und tatsächlich wurde sie auch nur ein einziges Mal von einer einzigen Person erobert – 1848 von dem 18-jährigen Schornsteinfegergesellen Sebastian Abratzky, der ohne Hilfsmittel in drei Stunden hinaufkletterte, weil er wohl das Geld für den Eintritt nicht hatte.
Als wir an der Kasse den Preis hörten, überlegten wir uns das kurz auch…

Der Schornsteinfeger wurde damals aber 12 Tage für seinen Coup – der übrigens international durch die Medien ging – auf der Festung eingesperrt, und soviel Zeit wollten wir da oben nicht verbringen, also zahlten wir brav die jeweils 10 Euro und betraten die Festung durch das Tor.

Wir bummelten auf dem Königstein zwischen den verschiedensten Gebäuden herum und trödelten dann einen schmalen Weg an der Brustwehr entlang, immer schön im Zickzack dem Verlauf der Felsen folgend. Dabei beobachtete ich einen Raubvogel, der sich kreisend von der Thermik nach oben tragen ließ, um dann pfeilschnell davon zu schießen. Wie ein Spielzeugdorf lag der Ort Königstein da unten. Kleine Autos kurvten emsig durch die Straßen, ein rotes Eisenbähnchen wand sich die Elbe entlang. Schön.

 

Zunächst schauten wir in diverse Gebäude der Festung und fanden ein paar Bleiglasfenster, die sehr pittoresk verzerrten, was man durch sie hindurch sah. Margit hatte das entdeckt, und wir spielten eine Weile da herum.


Wir kamen zum Proviantmagazin und stiegen dort in den alten Weinkeller, wo August der Starke 1725 ein Riesenweinfass hat bauen lassen. Über drei Jahre hinweg waren 4 Böttcher mit dem Bau beschäftigt. Gefüllt war es nur einmal, es fasste 250.000 (!) Liter. August der Starke muss großen Durst gehabt haben. Vom Fass ist nichts mehr übrig, nur einen alten Kupferstich gibt es noch davon. Am spannendsten in dem feuchtkalten Keller war die schräge Eingangsrampe mit dem Tor – hereinkommende Leute boten im Gegenlicht interessante Silhouetten, und wieder kauerten wir mit den Kameras in den Ecken und lauerten Leuten auf.

Auf dem Rückweg zum Eingang (jetzt Ausgang) kamen wir an einem Kastanienbaum vorbei, der ganz kurios ein paar weiße Blätter hatte. Da stimmte was mit der Chlorophyllbildung nicht, sah sehr ungewöhnlich aus. Wir spielten auch da wieder eine Weile mit den Kameras herum und verließen schließlich das ganze Gemäuere.