Elbsandsteingebirge – Tag 2 – das Basteigebiet

Blick auf die Bastei

Blick auf die Bastei

Nach einer relativ kurzen Nacht starteten wir am nächsten Morgen ziemlich zeitig zur Bastei – wir wollten dort sein, bevor die Brücke von Besuchern übervölkert sein würde. Was auch klappte – bis auf einen alten Herrn, der in gerührter Nostalgie ein wenig von den Klettertouren seiner Kindheit schwärmte, waren wir alleine mit den Felsen und dem Blick ins Elbtal.

Wir schlenderten über die Basteibrücke, die leider asphaltiert ist. Ein Steinpflaster, wie es unter dem Asphalt sicher noch vorhanden ist – immerhin wurde die Steinbrücke schon 1851 erbaut – wäre sehr viel schöner und passender. Aber egal, der Blick hält sich damit sowieso nicht lange auf. Zu grandios ist die Naturkulisse. Turm um Turm reihen sich die Felsen und verschwimmen in der Ferne am Horizont. Natürlich tragen sie alle Namen: Kleine Gans, Lokomotive, Plattenstein, Kanapee, Mönchstein – mit mehr oder weniger Fantasie erkennt man die namengebende Form. Oder ganz etwas anderes. Gesichter und Figuren finden sich in den Felsen allenthalben, eine Märchenwelt.

Die Basteibrücke, auf der man so geruhsam dahin spaziert, verbindet die Bastei mit der Felsenburg Neurathen. Im Mittelalter gab es dort eine hölzerne Zugbrücke. Bei Belagerungen wurde diese der Überlieferung nach durch eine Steinschleuder zerschlagen, die auf einem Felsturm an der Brücke stand, und nahm die Belagerer gleich mit in die Tiefe. Die Steinstufen, die auf den heute noch als „Steinschleuder“ bezeichneten Felsturm führen, sind gut zu erkennen. Eine luftige Sache und schwere Zeiten für beide Seiten. (Die Steinschleuder ist der dicke Klotz in der Brückenmitte auf dem nachfolgenden Foto) Ein Nachbau der hölzernen Schleuder steht in der Felsenburg. Von dieser sind allerdings nur noch die Felsen da, das Mauerwerk ist so ziemlich komplett verschwunden. Auf Eisenstegen führt einen ein Rundweg durch das räumlich sehr begrenzte Burggelände auf den Felsen. Gemütlich kann es dort nicht gewesen sein. Mein Wohnzimmer ist größer als der sogenannte Burghof. Angrenzend an die Felsenburg ist im Osten der „Mönch“, auf dem seit 1887 eine Wetterfahne in Mönchsform an den armen Wachtposten erinnert, der im Mittelalter dort seinen fragwürdigen Job erledigte. Mich erinnerte die seltsame Figur vor allem an Scherenschnitt-Theater.

Allmählich wurde der Morgen zum Vormittag und nach und nach bevölkerte sich die Basteibrücke merklich. Zeit, zu gehen. Am Anfang der Basteibrücke befindet sich ein Verbrechen der Neuzeit in Form eines mächtigen Hotelklotzes. Beton statt Sandsteinfels, puh… Dort wohnt aber eine äußerst entzückende kleine Katze, die sich in der Sonne auf der Zufahrt aalte und uns schnurrend begrüßte. Wir unterhielten uns ein Weilchen mit ihr. Ein herziges Schnuckelchen!

Beim Blick ins Waldtal hatten wir einen kleinen See entdeckt, zu dem wir wandern wollten. Unsere Superkarte erklärte uns, das sei der Amselsee im Amselgrund und man käme da über die Schwedenlöcher hin, via Pavillonaussicht. Perfekt. Die Aussicht fanden wir auch gleich, der Blick war episch.

Pavillonaussicht

Pavillonaussicht

Die Schwedenlöcher entpuppten sich als sehr schmal in den Felsen eingeschnittene grün-moosige Schlucht mit allerhand Treppchen und Stiegen, die steil bergab führten. Sehr reizvoll, allerdings nahm das Gegenverkehrsaufkommen deutlich zu. Überholt wurden wir auch öfters, wenn wir uns mit den Kameras im Anschlag an Felswände pressten für den besten Blick auf eine Treppenflucht. Ihren Namen hat diese wilde lange Schlucht aus der weniger romantischen Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als sich Bauernfamilien dort versteckten.

 

Im Amselgrund trafen wir auf einen gepflasterten breiten Weg, ein Bächlein – den Grünbach, sagt der Reiseführer, die Karte verrät da nichts – und viele Leute. Die zogen auf dem gepflasterten Weg entweder bergauf oder bergab an uns vorbei. Bergauf lag der Amselfall, und weil es dahin nicht weit zu sein schien, wollten wir uns den mal anschauen.

Gute Entscheidung – sehr malerisch rieselt dort das Rinnsal über einen grün bemoosten Felsbalkon herab. Zwar gibt es direkt am Amselfall ein kleines Holzhaus, eine „Baude“, mit Gastbetrieb, doch fügt sie sich optisch recht geschmackvoll ein, man kann sie akzeptieren. Der Mensch macht mit seinen Bauwerken selten was schöner.

Die Lichtverhältnisse waren etwas schwierig in dieser moosig-dunklen Ecke, doch gab es ein Geländer, an dem man sich prima abstützen konnte. Sehr konzentriert kauerten wir dort und hielten stundenlang die Luft an für Langzeitbelichtungen, als plötzlich mit einem Tosen das Rinnsal zum Leben erwachte und ein weißer Wasserschwall über den Balkon herabstürzte. Ziemlich hastig zogen wir uns zurück – ah ja, da hatte im Reiseführer was gestanden, dass man für 30 Cent das oben aufgestaute Wasser zum Rauschen bringen konnte, hatte ich glatt vergessen…

Brotzeit ist die schönste Zeit, also verließen wir den Amselfall, suchten uns ein Stück unterhalb ein nettes Plätzchen am Grünbach und erleichterten unsere Rucksäcke. Da das Auge unterwegs ja nie ruht, stöberten wir nach kurzer Zeit schon wieder am Bach herum, entdeckten einen erschrockenen Frosch und ein Rotkehlchen, das während unserer Rast stets in unserer Nähe auf dem einen oder anderen Ast saß und uns beäugte. Hübsches Kerlchen.

Wir ließen Frosch und Vogel schließlich wieder alleine in ihrem Reich und folgten dem Wanderweg den Grünbach entlang bis zum Anfang des Amselsees. Dort tummelten sich Tretboote auf dem Wasser und allerhand Spaziergänger auf den Wegen.

Wir bevorzugen ruhigere Gefilde und bogen ab auf den Knotenweg, der uns in vielen Kurven durch den Wald führte, vorbei an allerhand interessantem Totholz.  Wir kürzten ein paar Windungen auf schmalen Pfaden ab und stießen prompt auch wieder auf den Weg – aber mussten wir nun nach rechts oder nach links? Der Blick auf die Karte brachte wieder mal nichts, aber zum Glück kam ein Ehepaar um die Ecke spaziert und schickte uns in die richtige Richtung. Wir Anfänger! Schließlich kamen wir zum Gamrig, einem Felsklotz auf einem Hügel im Wald. Da oben auf den sanft gerundeten Felsen ließ es sich gut sitzen, und so taten wir genau dies und genossen die Aussicht.

Der Rückweg zur Bastei führte uns durch Niederrathen und dann ein Stück am Elbufer entlang. Auf unserer Karte gibt es einen Steig vom Tal hinauf in die Nähe der Basteifelsen, aber den Einstieg dazu fanden wir nicht. In der Realität stehen da mehr Häuser als auf der Karte… Margit fragte einen Mann, der in seinem Garten werkte, und der erklärte uns den Einstieg zu einem anderen Steig, dem Hirschgrundsteig, der in der Karte nicht verzeichnet ist: Bei dem links von der Straße gelegenen Schuppen rechts rauf, bis sich der Pfad teilt. Da rechts halten, denn links geht’s nur zu einer Hütte… Wir taten wie geheißen, fanden Schuppen, Pfad und Hütte, aber der nach rechts abzweigende Pfad folgte endlos einer mächtigen Felswand, ohne dass es mal irgendwo rauf gegangen wäre. Hm. Da standen wir nun wieder! Gingen zurück zur Abzweigung – der Weg müsste aber doch eigentlich richtig sein. Wieder den Pfad entlang, zwischendurch die mächtige weiße Felswand bestaunt und fotografiert.

Der Steig wurde dünner, war kaum zu erkennen, schien aber endlich nach oben zu gehen. Steil nach oben. Rutschig, der Erdboden weich, mit einer Laubschicht. Hier und da lag ein alter Telefonleitungsmast am Hang, wir folgten also einer alten Leitungstrasse. Wenigstens folgten wir irgendwas… Nach einer anstrengenden Kletterei kamen wir auf einem Absatz an und trafen schließlich auf einen deutlichen Pfad, der aus anderer Richtung von unten kam. Das wäre wohl der Hirschgrundsteig gewesen, den wir hatten finden wollen. Nun, jetzt hatten wir ihn ja. Wir folgten ihm die Bergflanke entlang weiter nach oben, zwischen Felsbrocken und unter Überhängen hindurch, an verschiedenen Talblicken vorbei, ein wunderschöner Weg.

Der Himmel hatte sich schon länger überzogen, in der Ferne rumpelte es dann und wann. Herumtrödeln war wettermäßig wohl nicht angesagt. Ein paar Tropfen fielen, aber so recht entschließen konnte sich der Himmel nicht, oder aber er hatte Geduld mit uns. Über eine letzte Steintreppe erreichten wir das Plateau der Bastei. Ein paar Besucher kamen von der Basteibrücke in Richtung Parkplatz geeilt, der verdüsterte Himmel und die ersten Tropfen hatten sie in Trab versetzt. Es blieb vorerst jedoch bei den paar wenigen Tropfen, und wir marschierten flotten Schrittes zum Ferdinandstein, von dem aus man den berühmten Postkartenblick auf die Basteibrücke hat. (Die Abzweigung dorthin hatten wir in der Früh doch tatsächlich nicht gesehen – wir waren dran vorbei geschossen) Es war eine tolle Stimmung dort oben, der Himmel düster über den mächtigen Felsen, in der Ferne kam wohl ordentlich was runter, fantastisch!

Schließlich wurde es doch auch bei uns etwas feucht in der Luft und wir retteten uns und die Kameras zum Parkplatz und ins Auto. Auf der Heimfahr goss es ziemlich  – was hatten wir doch wieder für ein Glück gehabt!